Waldie


Waldie
(Erlebniserzählung nach einer wahren Begebenheit)




Die Nachbarn Zagelmann hatten erst begonnen zu bauen.
Sabine und Stefan wohnten gleich nebenan und standen mit meiner Schwester Hilli und mir vor dem Haus.
Die Hunde ließen wir frei herumlaufen. Susie und Waldie hatte es besonders das Haus der Zagelmann ange-
tan. M
eistens waren sie
dort zu finden, wenn wir sie suchten.
Wir standen also da und redeten, die Hunde streunten beim Zagelmann herum, und bald wurde es Abend
und auch dunkel.
Wir waren so sehr in unser Gespräch vertieft, daß wir nicht merkten, wie Susie und Waldie hinter den Erd-
hügeln, die durch die Bauerei entstanden waren, verschwanden.
Schließlich merkten wir es doch, und wir riefen die Hunde.
Susie kam, aber Waldie?

Wir konnten keine Spur von ihm entdecken. Wir machten uns also auf, ihn zu suchen.
Hilli und Bini fanden ihm vor den Haus der Zagelmann sitzen - vor einen prächtigen Knochen.
Hilli, Bini, Stefan und ich wollten rauf gehen. Aber erst mußten wir mit Waldie ein Problem zur Seite schaf-
fen.
Wir lockten Waldie, doch der traute den Braten nicht, den wir ihn vorsetzten.

Kamen wir ihm zu nahe, zeigte er die Zähne, knurrte gefährlich und stellte seine Nackenhaare auf.
Hildegard trat zu Waldie, da ging dieser zähnefletschend auf sie los.
Nein, mit gutem war da nichts zu machen. Man mußte handgreiflich werden.
Hilli startete nach so vielen verunglückten Versuchen einen letzten:
Sie holte einen dicken Wanderstock und wollte den Knochen damit weg schieben, damit wir Waldie packen konnten.
Der Stecken war noch nicht mal bei Waldie angelangt, als sich der Dackel knurrend in ihm verbiß.

Jetzt wußten wir noch einen Rat: Papa!
Wenn Waldie jemanden gehorchte, dann nur ihm!

Ich rannte also rauf und sagte es meinem Vater. Der rief Waldie.
Waldie wollte Papa schon folgen. Dann aber blieb er doch vor seinem Knochen sitzen.
Nach einiger Zeit war es Papa leid, und er machte das Wohnzimmerfenster zu.
Er meinte, wir sollten rauf kommen und Waldie drunten lassen. Er würde später, wenn es ihm zu dumm
wäre, schon kommen.
Wilderwillig kamen ich und meine Schwester dieser Aufforderung nach.

...Langsam wurde es Hilli und mir unbehaglich.
Es ging schon auf 21.30 Uhr zu, und Waldie ließ sich immer noch nicht blicken.
Wir packten zwei Taschenlampen und begannen Waldie zu suchen.

Die Haare sträubten sich uns zu Berge! Von Waldie keine Spur zu finden! Ebenso wenig von dem riesigen Knochen!
Ich und Hilli bekamen große Angst um unseren Hund.

Plötzlich hörte ich hinter mir Schritte. Ich fuhr herum.

Im Taschenlampenschein blickte ich in ein Paar orangene Augen.

Die konnten nur einen gehören:

Waldie!

Er war es auch wirklich, und unser Dackel war sichtlich froh, mit in die Wohnung zu kommen.

Und so leben die Zagelmanns bis heute in der Anwesenheit eines wahren Super-Knochens, ohne es zu ahnen...


Quellennachweis des verwendeten Bildes auf dieser Unterseite:
613.jpg: ©Heike Laqua / pixelio.de